Wann springen Ihnen die Nutzer ab? – Videolänge
Videomarketing

Wann springen Ihnen die Nutzer ab? – Videolänge

30. Juli 2019
5 Min Lesezeit

Eilmeldungen, Push-Nachrichten, ein sich ständig aktualisierender News-Feed – unsere Aufmerksamkeitsspanne wird immer kürzer. Gleichzeitig hat sich die Plattformlandschaft seit 2019 massiv verändert: TikTok hat das Nutzungsverhalten revolutioniert, Instagram setzt voll auf Reels, Twitter heißt jetzt X, und YouTube hat mit Shorts ein eigenes Kurzvideoformat etabliert. Die optimale Länge Ihres Videos hängt mehr denn je davon ab, welchen Content Sie vermitteln wollen, wer Ihre Zielgruppe ist – und auf welcher Plattform das geschehen soll.

Die Grundregel: Der Hook in den ersten 3 Sekunden

Bevor wir über Plattformen sprechen, gibt es eine Regel, die überall gilt: Die ersten 3 Sekunden entscheiden, ob Ihr Video angeschaut oder weggewischt wird. In dieser kurzen Zeitspanne muss Ihr Video visuell oder inhaltlich so stark sein, dass der Nutzer stoppt. Das gilt für TikTok genauso wie für LinkedIn oder YouTube. Starten Sie nie mit einem Logo-Intro oder einer langsamen Einleitung – sondern mit dem stärksten Bild, der spannendsten Aussage oder einer überraschenden Frage.



TikTok

TikTok ist die Plattform, die das Videoformat grundlegend verändert hat. Technisch sind Videos von 15 Sekunden bis 10 Minuten möglich, doch der Sweet Spot liegt bei 30 bis 60 Sekunden. In dieser Zeitspanne belohnt der Algorithmus Videos, die bis zum Ende geschaut werden – die sogenannte Watch-Through-Rate ist der wichtigste Ranking-Faktor. Kürzere Videos unter 30 Sekunden haben eine höhere Chance, komplett angesehen und sogar mehrfach geloopt zu werden, was das Engagement zusätzlich steigert. Für Unternehmen bedeutet das: Kommen Sie schnell zum Punkt, nutzen Sie Texteinblendungen und erzählen Sie eine kompakte Geschichte.



Instagram Reels

Instagram hat das klassische Feed-Video praktisch abgeschafft – Reels sind das dominierende Format und können bis zu 90 Sekunden lang sein. Der Sweet Spot liegt bei 15 bis 30 Sekunden für maximale Reichweite. Instagram bevorzugt im Algorithmus vertikale Videos (9:16), die nativ in der App erstellt oder zumindest auf die Plattform optimiert wirken. Längere Inhalte bis 60 Minuten sind über Instagram Video möglich, erhalten aber deutlich weniger organische Reichweite als Reels. Für Unternehmen empfiehlt sich eine Mischung aus kurzen, aufmerksamkeitsstarken Reels und gelegentlichen längeren Formaten für die bestehende Community.



YouTube

YouTube bleibt die Plattform für längere Inhalte. Nutzer kommen gezielt hierher, um Videos anzuschauen – die Bereitschaft für 5 bis 20 Minuten ist deutlich höher als auf jeder anderen Plattform. Für Erklärvideos, Tutorials, Produktvorstellungen und Imagefilme ist YouTube nach wie vor der beste Kanal. Die Plattform funktioniert wie eine Suchmaschine: Gut optimierte Videos werden über Jahre hinweg gefunden und generieren kontinuierlich Views. Der Algorithmus belohnt Watch Time – also die Gesamtzeit, die Nutzer mit Ihrem Video verbringen. Das bedeutet: Ein 10-Minuten-Video, das zu 70 % angeschaut wird, performt besser als ein 3-Minuten-Video mit 40 % Verweildauer.



YouTube Shorts

Mit YouTube Shorts hat Google ein eigenes vertikales Kurzvideoformat etabliert, das bis zu 60 Sekunden lang sein darf. Shorts werden im eigenen Feed auf der YouTube-Startseite ausgespielt und erreichen ein enormes Publikum – oft weit über die eigene Abonnentenzahl hinaus. Für Unternehmen sind Shorts ideal, um Aufmerksamkeit zu generieren und Zuschauer anschließend auf längere Videos auf dem eigenen Kanal zu lenken. Der Sweet Spot liegt bei 15 bis 45 Sekunden.



Facebook

Facebook hat sich stark verändert: Reels dominieren inzwischen auch hier den Feed. Kurze vertikale Videos zwischen 15 und 60 Sekunden erhalten die höchste organische Reichweite. Gleichzeitig bietet Facebook über den Watch-Bereich auch die Möglichkeit für längere Videos – etwa Webserien, Tutorials oder Live-Streams. Für klassische Feed-Videos gilt nach wie vor: Videos bis zu 1 Minute erzielen das höchste Engagement. Längere Videos funktionieren, wenn der Content fesselnd genug ist, aber die Absprungrate steigt ab Minute 2 deutlich an.



X (ehemals Twitter)

Die Plattform, die früher Twitter hieß, erlaubt inzwischen Videos bis zu 8 Minuten für verifizierte Nutzer. Der Charakter der Plattform bleibt aber kurz und schnell – Videos unter 60 Sekunden funktionieren am besten. X eignet sich hervorragend, um Videocontent anzuteasern und auf die vollständige Version auf YouTube oder der eigenen Website zu verlinken. Besonders gut performen Clips mit Untertiteln, da viele Nutzer ohne Ton scrollen.



LinkedIn

Für B2B-Kommunikation ist LinkedIn die wichtigste Videoplattform. Native Videos können bis zu 10 Minuten lang sein, der Sweet Spot liegt bei 1 bis 2 Minuten. LinkedIn-Nutzer sind bereit, sich mit fachlichen Inhalten auseinanderzusetzen – vorausgesetzt, der Einstieg ist stark und der Mehrwert klar erkennbar. Besonders gut funktionieren Thought-Leadership-Videos, kurze Case Studies, Behind-the-Scenes-Einblicke und Mitarbeiter-Stories. Seit 2024 unterstützt LinkedIn auch vertikale Kurzvideos im Feed, die ähnlich wie Reels funktionieren.



TV-Spots – eine kurze Einordnung

Klassische TV-Werbung spielt in vielen Branchen weiterhin eine Rolle, auch wenn digitale Kanäle dominieren. Der Trend geht zu 6- und 15-Sekunden-Spots, die maximale Aufmerksamkeit in minimaler Zeit erzeugen. Diese kurzen Formate lassen sich oft auch hervorragend als Pre-Roll-Ads auf YouTube oder als Bumper Ads einsetzen.



Grundsätzlich gilt

Kann man das Video kürzen, ohne die Message oder Qualität zu verändern, dann sollte man das tun. Nur zu kürzen ohne Rücksicht auf Verluste macht wenig Sinn. Wählen Sie die passende Plattform und Videolänge basierend auf Content und Zielgruppe. Produzieren Sie idealerweise ein Hauptvideo und mehrere Schnittversionen für verschiedene Plattformen – so holen Sie das Maximum aus Ihrem Material heraus.

Unser Tipp: Planen Sie die Videolänge bereits in der Konzeptionsphase – nicht erst im Schnitt. Definieren Sie von Anfang an, welche Plattformen bespielt werden sollen, und produzieren Sie entsprechende Versionen mit. So vermeiden Sie, dass wichtige Inhalte nachträglich gekürzt werden müssen, und haben für jede Plattform das optimale Format parat.

VideolängeTikTokInstagram ReelsYouTubeLinkedInFacebookYouTube Shorts

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